Kartause Ittingen (Ehemaliges Kartäuserkloster)
Ordensgründer S. Bruno von Köln (1084).
Verwaltungsgebäude und Haupteingang des Klosters (Brunotor).
Uesslinger-Tor (Eingang vom Parkplatz).
Wappen der Kartäuser beim Uesslinger-Tor.
Die Kartause Ittingen
ist ein ehemaliges Kloster der Kartäuser bei der Gemeinde Warth-Weiningen, Orts-
teil Warth TG im schweizerischen Kanton Thurgau. Heute ist Ittingen ein Seminar-
zentrum mit Museen, Hotel, Restaurants und Gutsbetrieb sowie einem Heim- und
Werkbetrieb für psychisch oder geistig beeinträchtigte Menschen. Im Gegensatz zu
anderen Klosteranlagen ist Ittingen kein als Gesamtanlage geplantes Bauwerk. Die
Kartause, wie sie sich heute präsentiert, ist das Resultat von ständigen baulichen
Veränderungen und Anpassungen an die jeweiligen Bedürfnisse im Verlauf von
mehr als 900 Jahren.

Klosterbetrieb
Vom 8. bis zum 12. Jahrhundert war die Burg Ittingen der Sitz der Herren von Ittin-
gen, einer Familie niederen Adels und Ministeriale der Welfen. 1079 wurde die
Burg Hittingin von den Truppen des Abtes von St. Gallen im Rahmen des Investitur-
streits zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. zerstört und später wie-
der aufgebaut, wahrscheinlich aufgrund eines Sühnevertrags. Der Kern der neuen
Burg wird an der Stelle des heutigen Südflügels der Klosteranlage vermutet. 70 Jah-
re lang war die Burg der Sitz der Truchsessen von Ittingen. 1150 gründeten die letz-
ten drei Vertreter der Familie in ihrer Burg ein Chorherrenstift nach den Regeln der
Augustiner, in das sie selbst eintraten. An der Gründung waren der Bischof von
Konstanz und die Welfen beteiligt, als Vogt amtete der Graf von Kyburg. 1152 wur-
de das Stift vom Lehensherr, Herzog Welf VI. mit zusätzlichen Privilegien ausge-
stattet. Schutzheiliger war Laurentius von Rom, dessen Zeichen, der Märtyrer-Rost,
noch heute im Wappen der Kartause erscheint.

Ittingen um 1640
Das kleine Stift verdankte seinen Aufstieg dem nahe gelegenen Städtchen Frauen-
feld, das in jener Zeit zum habsburgischen Verwaltungszentrum wurde. Das Stift
erlangte nie grosse Bedeutung; 1289 bestand der Konvent lediglich aus dem Propst,
dem ehemaligen Propst, fünf Chorherren und zwei Brüdern.
1420 verfügte Ittingen weder über einen Prior noch einen Priester. Kaiser Friedrich
III., der sich 1458 Frauenfeld direkt unterstellt hatte, sorgte für eine Verbesserung
der Vermögensverhältnisse und bereitete die Übergabe des Klosters an die Kartäuser
vor, deren Orden damals seine grösste Expansion erlebte. 1461 wurde die Übergabe
vollzogen.
Die Kartäuser kauften das verarmte Ittingen und bauten es mit grossem Aufwand
um. Erst 1471 wurde das Kloster formell in den Ordensverband der Kartäuser auf-
genommen. Ihren Regeln entsprechend wurde die Bevölkerung von den Gottesdien-
sten ausgeschlossen; besonders Frauen blieb die Kirche verschlossen. So kam es
schon im gleichen Jahr zum «Frauenstreik»: Die Warther Frauen drangen in die
Kirche ein und erzwangen mit einem Sitzstreik eine eigene Kapelle in Warth.

Ittingen im 18. Jahrhundert
Am 18. Juli 1524 wurde die Kartause im Ittinger Sturm überfallen, zwei Tage lang
geplündert und niedergebrannt. Die vertriebenen Mönche kehrten nur langsam zu-
rück; erst 1553 wurden die Anlagen im Zuge der Gegenreformation wieder aufge-
baut. Unter Prior Bruno Müller und dem Prokurator Josephus Wech erlangte das
Kloster nach einer Verwaltungsreform eine Zeit wirtschaftlicher Blüte, deren
Grundlage der Weinanbau- und -handel war. In einem guten Jahr wurden gegen
20'000 Gulden erwirtschaftet. Zum Vergleich: 1762 kostete ein Haus mit Hof,
Scheune und Garten 260 Gulden. Der Wohlstand zeigte sich in umfassenden Bau-
arbeiten und in der Neuausstattung der Kirche. Zugleich setzte sich Prior Bruno
Müller für die in Ittingen entstandene Klosterchronistik und Hagiographie ein, was
unter anderem in seinen Bemühungen um die 1648 erschienene Publikation der
Helvetia Sancta von Heinrich Murer zum Ausdruck kam.1798, nach dem Nieder-
gang der Alten Eidgenossenschaft, verboten die Behörden der Helvetik die Aufnah-
me von Novizen. Das Klostervermögen wurde vom neu geschaffenen Kanton Thur-
gau beschlagnahmt, der Wirtschaftsbetrieb von staatlichen Verwaltern geführt und
hohe Steuern mussten bezahlt werden. 1848 wurde das Kloster endgültig aufgeho-
ben; die Mönche mussten Ittingen nach rund sieben Jahrhunderten verlassen. Die
mittelalterliche Bibliothek wurde von der Kantonsbibliothek Thurgau übernommen.
(Wikipedia)
Werkstätten und Käserei (rechte Bildseite).
Die ehemalige Kornschütte.
Gartenwirtschaft des Restaurants "zur Mühle" um den Laurentius-Brunnen.
Übersicht über die ehemalige Klosteranlage.
Freskenfragmente am Südflügel. Die 1880 angebaute Loggia am Südflügel.
Der Kapitelsaal: Versammlungsraum der Mönche für Lesungen usw.
Um den grossen Kreuzgarten angeordnete ehemalige Mönchszellen.
Kastenbett der Mönchszelle mit Durchgang zum Andachtsraum.
Bescheiden eingerichtete Mönchszelle mit Stube und Andachtsraum.
Die ehemalige Klosterküche wurde im Jahre 1880 von der Fam. Fehr im Neurenaissance-Stil umgebaut. Waschbecken und Kachelofen im "Fehrzimmer".
Refektorium (Speisesaal) mit Blick zum Eingang und Kachelofen
Im Speisesaal steht dieser schöne, kunstvoll gearbeitete
Kachelofen mit verschiedenen Abbildungen. Darunter
sind drei wichtige Bilder zur Ittinger Geschichte zu finden.
Eine Kachel stellt den Wohnturm dar, in dem im 11. Jahr-
hundert Ritter wohnten, eine andere die Kirche der Augu-
stiner, die von 1152 bis 1461 in Ittingen lebten. Die bedeu-
tendste Darstellung zeigt das Kartäuser-Kloster und wie
Ittingen von etwa 1470 bis 1848 aussah.
(Der Ofen stammt aus der Ofenmanufaktur Pfau aus Winterthur)
Detail Kachelofen: Fantasielandschaft.
Deckengemälde über dem Chor und der Kirche mit Motiven aus dem Leben des Hl. Bruno. Blick zum reichgeschmückten Altarraum.
Üppige Schnitzereien schmücken die Chorstühle der Mönche.
Detail des kunstvoll verzierten Altares.
Reichverzierte Beschläge schmücken die Türen.
Detail der feinen Schnitzereien.
Die Klosteranlage wie sie im 18 Jh. ausgesehen hat.