Römischer Gutshof Stutheien bei Hüttwilen
Eine unscheinbare Tafel am Rande eines Wäldchen zeigt uns den Weg.
Eine Informationstafel erzählt uns die Geschichte dieser Ausgrabung. PDF
Forschungsgeschichte und Befunde
Schon 1855 kamen in Stutheien die ersten römischen Funde zutage, darunter ein
Frauenkopf einer Statue sowie eine ganz erhaltene Keramiktasse. Die Villa wurde
dann 1928 vom damaligen Kantonsarchäologen Karl Keller-Tarnuzzer grossflächig
ausgegraben. Er fand neben einigen Ökonomiegebäuden das Herrenhaus mit Bade-
anlage, Wohnhalle sowie vorgelagerter Portikus. Dieser Laubengang war ursprüng-
lich unterkellert; Ansätze der beiden Kellerfenster lassen sich noch deutlich im
Mauerwerk erkennen. Das «Heissbad» besass eine Hypokaustanlage (Bodenheizung),
die vom Praefurnium («Heizkeller») aus eingefeuert wurde. Das Badewasser wurde
wohl vom «Steinegger-Bächlein» abgeleitet. In der Wohnhalle konnte eine grosse
Herdstelle freigelegt werden. Überreste von Wandmalereien sowie das reiche Fund-
material bezeugen einen gehobenen Lebensstil der Gutsbesitzer. Die römische Villa
wurde gegen Ende des 2. Jahrhunderts n.Chr. gebaut. Nach einer Brandkatastrophe
wurde das Gebäude neu errichtet und bis in die 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts bewohnt.
Wenige Funde belegen auch eine Nutzung des Siedlungsplatzes im 4. Jahrhundert.
Auf dem landwirtschaftlichen Grossbetrieb lebten vermutlich mehrere Familien, die
Ackerbau und Viehzucht betrieben. Getreide, Feldfrüchte sowie Fleischwaren wurden
wahrscheinlich im nahegelegenen römischen Marktflecken Tasgetium (Eschenz)
vertrieben.

Die Funde
Bei den Ausgrabungen von 1928 konnte ein umfangreiches Fundinventar geborgen
werden. Viele Kochtöpfe, Specksteingefässe und Reibschüsseln sowie Knochen von
Rind, Schwein, Schaf, Haushuhn, Hirsch, Hase und Fisch bezeugen eine abwechslungs-
reiche Küche. Die Speisen wurden auf verziertem Tafelgeschirr (sog. Terra sigillata)
serviert. In Krügen tischte man Wein auf, der aus dekorierten Tonbechern und wert-
vollen Glasgefässen getrunken wurde. Daneben fanden sich viele Eisengeräte, darunter
mehrere Messer, Schafscheren, Scharniere, Ketten, Schlüssel und Nägel sowie eine
Hacke, ein Nuteisen und ein Sägeblatt. Als eigentliches Prunkstück ist ein eisernes
Klappmesser mit elfenbeinernem Griff in Form eines Löwen zu bezeichnen. Ein Huf-
schuh, eine Glocke, diverse Wagenbeschläge, Jochaufsätze sowie Bestandteile von
Geschirr belegen, dass Zugtiere und Wagen zum Fuhrpark des Gutshofes gehörten.
Die Anlage ist von der Strasse her nicht zu sehen.
Visualisierung durch den Kunstmaler Karl Peterli, Wil (1897-1975)
Grundriss der Villa
Fundstücke aus Glas
Klappmesser mit Elfenbeingriff in Form eines Löwen.
Gesammtansicht der Ausgrabungen